im Themenrahmen des „Welt-Ethik-Gipfels Kühlungsborn 2001“

Küste, Ökologie und Mensch (KÖM): haben sie eine Zukunft?

Integriertes Küstenmanagement als Instrument nachhaltiger Entwicklung

Kühlungsborn an der Ostsee
10. bis 13. Mai 2001

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IKZM als innovatives Feld für Forschung, Planung und Politik

Die Küstenzonen der Welt stehen zunehmend unter Druck, durch starkes Bevölkerungswachstum ebenso wie durch steigende Nutzung der verfügbaren natürlichen Ressourcen. In vielen Regionen der Welt sind sie übernutzt, ihr Erhalt stark gefährdet. Etwa 60 % der Menschen leben laut UN-Schätzungen an den Küsten der Kontinente. Diese Ballung verursacht zunehmend gesellschaftliche Nutzerkonflikte, starke ökologische Belastungen und Folgeveränderungen, welche die soziale Stabilität und Leistungseffizienz dieser ökonomisch wichtigen Wirtschafträume beeinträchtigen. International hat sich die traditionelle Küstenforschung in den letzten Jahren erheblich gewandelt und strebt von der sektoralen Betrachtung durch Einzeldisziplinen zu stärker inter‑ und transdisziplinären Forschungsansätzen mit neuen fachübergreifenden Zielen und Anwendungskriterien. Die erforderliche Entwicklung geeigneter Forschungsmethoden mit lösungsorientierten Ansätzen hat bereits zu einem neuen Forschungsfeld geführt, das sich zunehmend in EU-Staaten und in Übersee etabliert. Diese Methoden- und Verfahrensentwicklung zielt auf ein „Integriertes Küstenzonen-Management“ (IKZM).

In der Bundesrepublik gibt es hier einen erheblichen Nachholbedarf, obwohl verschiedentliche Ansätze vorhanden sind, die jedoch weitgehend isoliert stehen. Es gilt, die verfügbare Expertise und Kapazität zu bündeln und weiterzuentwickeln, wenn länderübergreifende Konzepte und auch international attraktive und überzeugende Verfahren Erfolg haben sollen. Der innovative Ansatz besteht in seiner Ganzheitlichkeit bei gleichzeitiger Flexibilität in der Prioritätensetzung. Dabei gibt es zahlreiche wissenschaftstheoretische und anwendungsorientierte Forschungsthemen, die sich von der Definition von küstenzonen-relevanten Stabilitätskriterien bis zu methodischen Implementierungsverfahren erstrecken. Sektor- und Ressortgrenzen sind zu überschreiten, die Meer und Land trennende linienhafte Definition der Küste ist zu überwinden, damit ein Planungsinstrument für nachhaltige Entwicklung erarbeitet werden kann. In einigen Ländern wie USA, Kanada, UK, Australien, Norwegen, Schweden oder Chile werden derartige Entwicklungen für den regionalen Bedarf rasch vorangetrieben. Innerhalb der EU bieten die bisher durchgeführten Demonstrationsprojekte gute Lernmöglichkeiten für neue Ansätze, in denen bisher gemachte Fehler weitgehend vermieden werden können.

Ziel sollte ein Forschungsverbund in Zusammenarbeit mit den öffentlichen und privaten Nutzern der Küstenregionen sein, der die im Rahmen von Forschungsvorhaben erarbeiteten wissenschaftlichen Kriterien und Methoden zur Optimierung der Ressourcenzuordnung bei vielseitigen Nutzungsansprüchen der öffentlichen und privaten Nutzer („stakeholder“) in der Küstenzone zulässt. Eine enge Zusammenarbeit mit den an der Küste liegenden Bundesländern unter Einbeziehung der betroffenen Bevölkerungsgruppen ist vorgesehen, wobei an Fallbeispielen für die Nord- und Ostseeküste nachhaltige und vorausschauende Nutzungskonzepte (die stets Alternativ-Lösungen einbeziehen) erarbeitet werden sollen. 

Von der Vision zur Problemlösung: Nachhaltige Entwicklung durch Tourismus?

Küsten sind mehr als andere Regionen vom globalen Wandel betroffen. Einerseits nimmt die Bevölkerungsverdichtung entlang der Küsten durch Siedlungsagglomerationen und Massentourismus rapide zu. Andererseits bewirken die (möglichen) Folgen eines Klimawandels insbesondere eines steigenden Meeresspiegels und intensivierter Sturm(flut)tätigkeit erhöhte Risiken für tiefliegende Küstengebiete. Nach den derzeitig plausiblen Szenarien hätte der Klimawandel mit Treibhauseffekt eher positive Aspekte für den Tourismus, nämlich unter der Annahme wärmerer und trockenerer Sommer, während die Zunahme von milden Wintern sich kaum signifikant auswirken würde. Natürlich hätte eine Zunahme der Niederschläge (im Sommer) dann negative Auswirkungen, sie wird aber derzeit von den Klimamodellen nicht prognostiziert. Eine Zunahme des Meeresspiegelanstiegs und der Häufigkeit von Sturmfluten (letzteres ist nach den Klimaszenarien weniger wahrscheinlich bzw. belegbar regional sehr unterschiedlich einzuschätzen bedeutet sowohl eine Beschleunigung von Strand/Vorstrand-Erosion als auch eine wachsende Überflutungsgefährdung. Zur Sicherung der touristischen Infrastruktur und der Tourismuswirtschaft insgesamt müssen verstärkt Investitionen in Küstenschutzanlagen und Sandvorspülungen Küstenschutzmaßnahmen getätigt werden. Risikovorsorge, Lebensqualität und Erholungswert für Einwohner und Gäste spielen hierbei eine erhebliche Rolle.

In den Küstenzonen konzentrieren sich touristische Tätigkeiten insgesamt auf einen vergleichsweise schmalen Küstenstreifen, so dass häufig Konflikte mit den Zielen des  Naturschutzes auftreten. Ferner stellen die jahreszeitlichen Schwankungen des Fremdenverkehrs und der damit verbundene Umweltdruck ein besonderes Problem für das Management der Küstengebiete dar. Diese anhaltenden auch aus den wachsenden Touristenzahlen resultierenden Probleme und Konflikte sind derart vielschichtig, dass nur integrierende, basiskommunikative Verfahren (unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung), aus denen praxisgerechte Konzepte und Lösungswege resultieren, den ökologisch und sozioökonomisch notwendigen Interessenausgleich zur Erhaltung der Küstenregionen gewährleisten können. 

Die Entwicklung des Tourismus ist für Küstengebiete ein wichtiger Faktor zur Stützung der regionalen Wirtschaft. Gleichzeitig bringt er allerdings auch Probleme für die Erhaltung und Attraktivität des natürlichen Ökosystems mit sich. Auf globaler Ebene hat sich in den letzten 3-4 Jahrzehnten ein Trend zum Massentourismus in vielen Küstengebieten der Erde vollzogen. Auch in Deutschland stellen die Küsten den Schwerpunktraum für den Binnentourismus dar, und es besteht vielerorts eine große wirtschaftliche Abhängigkeit von diesem Sektor. Dabei zeigen sich zwei Entwicklungen, eine mit ökonomischer, die andere mit ökologischer Prägung:

l  Die Bedeutung der Kurzaufenthalte bzw. des Tagestourismus nimmt in den Küstenorten beständig auf Kosten der Langzeit/Ferienaufenthalte zu. Damit einher gehen eine Veränderung des touristischen Angebots, zugleich eine zunehmende ökologische Belastung (z. B. Verkehrsballungen, Einengung der naturnahen Ökosysteme). 

l  Bei zunehmender Konkurrenz unter den deutschen Küstenorten spielt ein gewisses „Öko-Image“ eine gewichtige Rolle als Entscheidungsfaktor für die Standortwahl der Küstentouristen. Viele  Orte streben ein derartiges Image als Wettbewerbsvorteil an. 

Das Tagungskonzept

Die Tagung “Küste, Ökologie und Mensch (KÖM): haben sie eine Zukunft?“ verfolgt das ethisch und politisch motivierte Ziel der Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit (englisch: sustainability) ist ein weitgehend normatives Konzept, welches anstrebt, drei Komponenten oder „Pfeiler“ zu optimieren: soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit. Verstehen wir mit Goodman (1995) Nachhaltigkeit als Kapitalerhaltung, dann wird soziales Kapital beispielsweise durch Toleranz, tradierte Werte, Normen und Institutionen gebildet. Eine Voraussetzung für soziale Stabilität ist es, Naturkapital zu erhalten, also ökologische Nachhaltigkeit zu fördern. Ökonomische Nachhaltigkeit hat schließlich die Aufgabe, das wirtschaftliche Subsystem des natürlichen Oikos, also des Naturhaushalts, innerhalb biophysikalisch vertretbarer Grenzen zu halten. Der Wunsch nach sozialer Nachhaltigkeit motiviert somit ökologische Nachhaltigkeit, die ihrerseits in großen Teilen von ökonomischer Nachhaltigkeit abhängt und bestimmt wird. Jede Optimierungsentscheidung zwischen den drei Nachhaltigkeitspfeilern stellt eine Güterabwägung dar, die letztendlich nur ethisch begründet werden kann. 

Nachhaltigkeit ist als eminentes Ziel und prominentes Programm internationaler angewandter Ethikbemühungen vorgegeben. Seit dem Rio-Gipfel von 1992 wird globale Nachhaltigkeit als regulative Idee komplementiert durch konkrete Programme regionaler und lokaler Nachhaltigkeit, insbesondere durch kommunale Bemühungen im Rahmen der Lokalen Agenda 21. Eine Aufgabe der Tagung in Kühlungsborn ist es daher, die Nachhaltigkeitsdebatte auch unter ethischen Vorzeichen voranzutreiben und dabei den Standort Küste besonders zu berücksichtigen. „Natura sive justitia“, Natur oder Gerechtigkeit, ist der Themenrahmen, der zugleich das übergreifende Konfliktfeld absteckt. Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit fordert umfassenden Lebensraum für die Küstenbewohner vor Ort und steht im Gegensatz nicht nur zu den Ansprüchen anderer Küstennutzer, sondern auch zu den Rechten anderer Lebewesen und der unbelebten Natur. Die Tagung, die von der Deutschen Gesellschaft für Humanökologie vorbereitet wird, findet im Themenrahmen des „Welt-Ethik-Gipfels Kühlungsborn“ statt.  Daher spricht sie auch Konflikte an, denen eine ethische Debatte nicht ausweichen kann.

Die Tagung soll einerseits internationale Erfahrung präsentieren, anderseits vom authentischen Standort Kühlungsborn/Ostsee profitieren und sich dabei der Nähe des ältesten und renommiertesten Ostseebades Heiligendamm bewusst sein, das derzeit nicht ohne Konflikt wiederhergestellt wird. Umgekehrt sollen die lokalen Akteure und Nutzer wie Gastronomie, Tourismusverband, Naturschutz, Gemeinden, Fischerei einbezogen werden und ein Forum vorfinden, auf dem ein Austausch lohnt. Auf dem Prüfstand stehen Entwicklungschancen und –hindernisse, Konflikte und deren Lösungen, ökologische und soziale Nachhaltigkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen, der nationale und internationale Vergleich mit wechselseitigen Anregungen. Schließlich soll unter der Rubrik „junge Beiträge“ der wissenschaftliche Nachwuchs zu Wort kommen. In allen Fällen geht es um eine humanökologische, d. h. um eine ganzheitliche, die Disziplinen verbindende und praxisorientierte Ausrichtung, die gerade im Anwendungsbereich „sustainable coast“ ein hervorragendes Betätigungsfeld hat. 

   

   

Örtliche Organisation, Kommunikationsmanagement und Entertainment
im Rahmen des „Welt-
Ethik-Gipfels Kühlungsborn 2001“ http://www.kuehlungsborn.de/ethikgipfel/:

INtegratedART KG,
„Im Ökohof“
D-19395 Hof Retzow

Tel.: 038737-3040, Fax: 038737-30414
E-Mail: oekowellness@t-online.de 

Pressebüro Berlin: Regina Richter, Tel.: 030-6541253, Fax: 030-65940524, 0173-7985333

Tagungsbeitrag für Nicht-Mitglieder der DGH (limitierte Plätze) DM 480,-

Tageskarte: DM 150,- einschließlich Bewirtung und Kulturprogramm.

Reservierungen: INtegratedART, Ostseeallee 18, D-18225 Kühlungsborn,
Tel./Fax: 038293-6282 

  

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 Diese Seite wurde zuletzt im April 2001 aktualisiert.